PROJEKTE BEARBEITEN!

EINZEL- ODER GRUPPENTEILNAHME MIT MAX. 3 TEILNEHMERN
KLASSEN 5 BIS 8, KLASSEN 9 UND 10, AB KURSSTUFE

 

Geschichten schreiben und illustrieren! Hier könnt Ihr Eurer Phantasie freien Lauf lassen! Wählt aus, was Euch interessiert und seid kreativ – die Aufgaben sind ja ganz unterschiedlich. Eure Lehrerin oder Euer Lehrer hilft Euch bei Fragen gerne weiter. Los geht's!

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Klassen 5 bis 8

1. In die weite Welt

Hans im Glück, das tapfere Schneiderlein, die Bremer Stadtmusikanten – in vielen Märchen wird gereist, gewandert und „in die weite Welt“ gezogen. Und wer immer sich auf diesen oft gefährlichen oder abenteuerlichen Weg gemacht hat, bleibt entweder in der Ferne, weil es ihm dort besser als Zuhause geht, oder kehrt erfolgreich wieder nach Hause zurück.

Deine Aufgabe

Schreibe ein Märchen, das sich heute, also 2018, zuträgt. Schicke eine Märchenfigur, die du auch gerne erfinden kannst, „in die weite Welt“ hinaus. Du kannst sie aus Baden-Württemberg in ein osteuropäisches Land reisen lassen oder von dorther nach Baden-Württemberg kommen lassen. Was für Erlebnisse, Gefahren und Abenteuer begegnen deinem Märchenhelden oder deiner -heldin, welche Abenteuer gibt es heute für sie, welche Aufgaben müssen sie bestehen?

2. Kaffeehaus Osteuropa

In unseren Städten und Schulen treffen Menschen verschiedenster Herkunft aufeinander und bringen ihr Leben, ihre Geschichte, Traditionen, Sitten und Bräuche mit. Das ist der Gedanke, der an deiner Schule zu einer Projektwoche „Europa – von Gibraltar bis zum Ural“ geführt hat. Deine Klasse will das Klassenzimmer in ein „Kaffeehaus Osteuropa“ verwandeln, eine Einrichtung, wie sie für die Großstädte im ehemaligen Österreich-Ungarn, also für Prag/Praha, Budapest, Lemberg/Lwiw, Triest/Trieste und Wien charakteristisch war. Ihr bietet dort typische Speisen an.

Deine Aufgabe

Informiere dich über die Kultur des Kaffeehauses, über die Einrichtung, die Ausstattung und das typische Angebot an Speisen und Getränken. Bereite eine Auswahl an Speisen und Getränken zu und dokumentiere die Zubereitung fotografisch. Erstelle außerdem eine Speisekarte für euer Kaffeehaus.

3. „Dinge“ erzählen eine Geschichte

Oft erinnern mitgenommene Gegenstände an das alte Zuhause und sind mit Erinnerungen und Gefühlen verbunden, sie erzählen eine Geschichte. Vielleicht kennst du jemanden in deinem Verwandten- oder Bekanntenkreis, der aus einem osteuropäischen Land stammt oder dessen Eltern oder Großeltern von dort nach Deutschland gekommen sind.

Deine Aufgabe

Befrage jene Person nach einem solchen Gegenstand, der aus der Heimat mitgenommen wurde. Verfasse einen ca. zweiseitigen Text aus der Sicht des „Dings“ und berücksichtige dabei sein Leben damals und heute. Das „Ding“ erzählt seine Geschichte in Ich-Form und erzählt damit indirekt auch die seines Besitzers.

4. Vom Gedicht zum Spiel

Verzicht

Aus dem Heim, in dem ich geboren bin,
hat mich der Krieg vertrieben.
Da hab ich VERGELTUNG! und
NIEMALS VERZICHT!
tief in mein Gedächtnis geschrieben.
Das liebe Haus meiner Kinderzeit
steht heute nicht leer und verlassen:
Die Fremden, die nun da zu Hause sind -
soll ich sie verfluchen und hassen?
Im Haus, in dem ich einst lachte und sang,
hör ich die Kinder jetzt lachen.
Nähm ich mir's mit Gewalt zurück,
würd ich sie heimatlos machen.
Spielt weiter ihr Kinder, ich seh euch gern.
Nichts soll euren Frieden stören.
Das Haus, in dem ich geboren bin,
das soll euch für immer gehören.

Gudrun Pausewang aus: Ich habe einen Freund
in Leningrad, Ravensburg 1986

Die Autorin des Gedichtes, Gudrun Pausewang, wurde 1928 in Wichstadtl/Mladkov im heutigen Tschechien geboren. Sie wuchs auf einem Bauernhof in Ostböhmen auf. Ihre Eltern waren nationalsozialistisch gesinnt, ihr Vater meldete sich später freiwillig als Soldat und starb 1943 im Krieg. Nach Kriegsende floh die Familie nach Wiesbaden, wo Pausewang 1948 Abitur machte.Nach dem Krieg erkennt sie, dass sie sich von den NS-Liedern und Büchern hat blenden lassen, und nimmt sich vor: „Wenn ich Schriftstellerin werden sollte, will ich meine Leser ernst nehmen.“ So wird sie eine Schriftstellerin, die häufig sozialkritisch arbeitet.

Deine Aufgabe

Stell dir vor, die Person, die vor gut vierzig Jahren in dem Gedicht so gesprochen hat, fährt heute mit ihren Enkelkindern zum „lieben Haus ihrer Kinderzeit“. Dort treffen sie die jetzigen Bewohner. In einer Unterhaltung erzählen sie sich gegenseitig, wie sie jetzt leben, was sie in ihrer Vergangenheit am meisten beeindruckt hat, welche Erwartungen und Hoffnungen sie für ihre Zukunft haben.

Entwickle eine Szene, die zeigt, wie sich dieses Treffen gestaltet. Wann, wo und wie bahnt sich dieses Gespräch an? Welche Rollen nehmen jeweils die Großeltern und Enkel ein?

Gestalte deinen Text als Szene mit Regieanweisungen und Angaben für die Bühnengestaltung bzw. Kostüme und Requisiten.

Klassen 9 und 10

1. Abschied nehmen

Der deutschstämmige Paul Kobelev siedelte 2001 im Alter von 18 Jahren mit seinen Eltern aus Russland nach Deutschland aus. Für das multimediale Online-Portal „migration-audio-archiv.de” berichtet er einige Jahre später, wie er das Abschiednehmen und Ankommen erlebte (http://edu.migration-audio-archiv.de/paul-kobelev/). In der Sequenz von Minute 4:40 bis Minute 6:50 beschreibt Paul seine letzten Wochen und Tage in Russland.

Deine Aufgabe

Am Nachmittag vor dem letzten Treffen mit seinen Freunden sitzt Paul in seinem Zimmer und schaut sich alte Fotos und Videos an. Welche Gedanken gehen ihm durch den Kopf, welche Gefühle beschäftigen ihn? Schreibe einen inneren Monolog.

2. „Freund der Dichter“

So wurde er genannt, der im österreichisch-ungarischen Galizien (heute Ukraine) geborene Schriftsteller und Verleger Hermann Kesten (1900-1996). Zeit seines Lebens förderte er, der selber erfolgreiche Autor, junge Talente. 1933 musste er aus dem nationalsozialistischen Deutschen Reich fliehen, zunächst nach Frankreich, dann über die Niederlande in die USA. Überall setzte er sich für vertriebene Schriftsteller ein. „Schutzvater“ aller Verfolgten nannte ihn deshalb der gleichfalls aus NS-Deutschland emigrierte Stefan Zweig. Nach 1945 kehrte Hermann Kesten – inzwischen amerikanischer Staatsbürger geworden – nicht mehr dauernd nach Deutschland zurück, sondern lebte meist in Rom, später in Basel, wo er 1996 starb. Seit 1984 wird ein Preis für verfolgte Schriftsteller in seinem Namen verliehen.

Deine Aufgabe

Informiere dich über die Biographie und das Werk Hermann Kestens sowie die historischen Hintergründe. Stelle in einer multimedialen Präsentation den „Freund der Dichter” vor. Wähle dabei als Schwerpunkt die Zeit des Exils.

3. Poetry Slam: Anderssein – na und?!

Die Veranstaltungsform des „Poetry Slam“ entstand 1986 in Chicago und verbreitete sich in den 1990er Jahren weltweit. Dieser literarische Vortragswettbewerb ist geprägt von Performance-Elementen und bewusster Selbstinszenierung. Er hat in den letzten Jahren eine große Verbreitung und Anhängerschaft gefunden. Bei einem Kulturabend an deiner Schule zum Thema „Weggehen – Ankommen – Zurückkehren. Baden-Württemberg und das östliche Europa“ soll auch ein PoetrySlam stattfinden. Er soll unter dem Motto „Anderssein – na und?! – Toleranz ist das Mindeste!” stehen. Du hast die Möglichkeit daran teilzunehmen.

Deine Aufgabe

Schreibe und inszeniere für die Veranstaltung einen ca. dreiminütigen Poetry Slam-Beitrag. Im Internet findest du beispielsweise auf www.youtube.com unzählige Beispiele. Sende deinen Text und deinen Video-Beitrag ein.

4. Worte werden Bilder

Die Schriftstellerin Herta Müller, die 2009 den Nobelpreis für Literatur erhielt, gehörte zur deutschen Minderheit im rumänischen Banat. Ihr Leben war von Verfolgung und Unterdrückung durch den rumänischen Geheimdienst geprägt. 1987 reiste Herta Müller nach Deutschland aus. Neben dem Schreiben gestaltet Herta Müller Textcollagen. Seit Jahren schneidet sie Wörter aus Zeitschriften, Zeitungen und Prospekten aus. Akribisch sammelt und sortiert sie ihre Fundstücke. Inzwischen existiert ein umfangreiches, alphabetisch sortiertes Wortarchiv.Sie achtet dabei auf Form, Farbe, Größe, Länge, Klang und Bedeutung der einzel-nen Wörter. Durch Zusammensetzung
entstehen interessante, bildhafte, klang-volle Kurztexte. Für Herta Müller sind die Textcollagen eine andere Art zu schreiben: „Die Collagen bringen manchmal Sätze, die ich schon sehr, sehr lange im Kopf, aber noch nie aufgeschrieben habe.” (Dokumentation, Das Erste: „Deutschland deine Künstler”, https://www.youtube.com/watch?v=HhohIgOuhJg).

Deine Aufgabe

Im Internet findest du viele Abbildungen von Herta Müllers Textcollagen, schau dir diese an und finde heraus, wie Herta Müller vorgeht. Durchforste Zeitschriften und Prospekte nach interessanten Worten, lege dir eine Sammlung an und setze schließlich je eine Textcollage zu den Schlagworten „Weggehen – Ankommen – Zurückkehren” zusammen.

ab Kursstufe

1. Auf Spurensuche: Zwangsarbeiter in Baden-Württemberg

Ausländische Zivilarbeiter sowie Kriegsgefangene der Wehrmacht wurden im Deutschen Reich während des Zweiten Weltkriegs zur Zwangsarbeit herangezogen. Die vor allem aus den besetzten Ostgebieten stammenden Zwangsarbeiter wurden in allen Wirtschaftszweigen eingesetzt. Als „historisch ohne Parallele“ bezeichnet der Historiker Jochen Oltmer diesen Einsatz von ausländischen Arbeitskräften. Auch in Baden-Württemberg erinnert eine Vielzahl von Gedenkstätten an die Deportation und den Einsatz von Zwangsarbeitern während der NS-Herrschaft.

Ihre Aufgabe

Recherchieren Sie das Thema „Zwangsarbeiter in Baden-Württemberg“ und gestalten Sie vier Schulbuchseiten. Verwenden Sie hierfür selbstverfasste Überblickstexte, Materialien wie Briefe oder andere Text- sowie Bildquellen. Zeigen Sie anhand regionaler Beispiele auch, wie an den Einsatz von Zwangsarbeitern heute erinnert wird. Verwenden Sie bei der Gestaltung ein Layoutprogramm. Ein kostenloses Programm ist beispielsweise Scribus.

2. Russische Juden in Deutschland: Auf Identitätssuche?

„Wenn man als Kleinkind jüdischer Eltern aus Russland nach Deutschland gekommen ist, endet die Reise nicht mit der Ankunft in der neuen Heimat. Die Identitätsfrage ist ein ständiger Begleiter.“ So beschreibt Filipp Piatov, ein russischer Jude, in einem Artikel, der am 04.01.2016 in „Die Welt“ erschien, seine Suche nach Heimat und Identität.Durch die Einwanderung von Juden aus dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion hat sich seit Beginn der 1990er Jahre das jüdische Leben in Deutschland verändert: Die Mitgliederzahl von jüdischen Gemeinden konnte sich im Laufe der Jahre verdreifachen. Eine Folge davon war auch, dass das kulturelle jüdische Leben in Deutschland eine Blüte erfuhr und sich gleichzeitig heterogener gestaltete. Im Jahr 2008 konnte
z.B. in Stuttgart die jüdische Grundschule wiedereröffnet werden.

Ihre Aufgabe

Recherchieren Sie das russisch-jüdische Leben in Baden-Württemberg und die Herausforderungen, vor denen die jüdischen Gemeinden stehen. Erstellen Sie hierzu ein Porträt mit Bild- und Textelementen (ca. 4 DIN A4-Seiten) für die lokale Zeitung.

3. Vertriebenendenkmäler: Erinnern oder mahnen?

An zahlreichen Orten Deutschlands erinnern Denkmäler an die Vertreibung Deutscher aus dem Osten des ehemaligen Deutschen Reiches und den deutschen Siedlungsgebieten in Südosteuropa. Häufig stehen sie auf Friedhöfen oder bei Kirchen. Sie sollen die Erinnerung an die alte Heimat und das Schicksal Vertriebener wachhalten, aber auch zu Frieden mahnen. Dennoch standen sie häufig in der Kritik, weil sie z.B. auch als Appell verstanden wurden, die alte Heimat nicht verloren zu geben.

Ihre Aufgabe

Informieren Sie sich über Geschichte, Gestaltung und Funktion von Vertriebenen-Denkmälern. Wählen Sie eines dieser Monumente aus und verfassen Sie hierfür eine Rede, in der Sie darlegen, wie heute der Vertreibungen in Geschichte und Gegenwart gedacht werden kann. Tipp: Eine Einführung in das Thema finden Sie im Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa der Universität Oldenburg (http://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/begriffe/vertriebenendenkmaeler).

4. Gehen oder bleiben? Eine Theaterszene

Wenn sich ein (junges) Paar, eine Familie oder eine befreundete Gruppe entschließt auszuwandern, ist das eine Ausnahmesituation. Oft fallen die Entscheidungen in hitzigen Gesprächen. Enttäuschungen über die Lage in der Heimat, Not und Elend dort, Ängste vor der Reise, übers Wasser gar, Sorgen um den zurückgelassenen Besitz oder um die Existenzmöglichkeiten in einer neuen Heimat, Hoffnungen auf eine bessere Zukunft: All dies prallt aufeinander und wird abgeglichen. Finden die Diskutierenden zu einer Einigung? Wer entscheidet letztlich? Viele Möglichkeiten sind denkbar... So war es in der Vergangenheit, als im 18. und 19. Jahrhundert Menschen, auch aus dem deutschen Südwesten, in die Gebiete des heutigen Ungarn, Russland, der Ukraine oder in andere östliche Länder zogen. So ist es heute, wenn Osteuropäer überlegen, nach Deutschland zu kommen oder Deutsche in osteuropäische Länder gehen.

Ihre Aufgabe

Schreiben Sie eine kurze Theater-Szene für 2-3 Personen, in der ein solches an historische Auswanderung oder heutige Situationen angelehntes „Entscheidungsgespräch“ stattfindet: vom Osten nach Baden-Württemberg oder aus dem deutschen Südwesten in ein osteuropäisches Land. Spielen und filmen oder fotografieren Sie diese Szene (Spielszene von ca. 5-7 Min.). Eingesendet werden sollen das „Drehbuch“ und Fotos oder ein Film. Tipp: Eine Anleitung zum Verfassen eines Drehbuchs und Herstellen eines Films finden Sie bei der Bundeszentrale für politische Bildung unter: http://www.bpb.de/lernen/projekte/55992/drehbuch